E-Mail
Fallbeispiel

Fallbeschreibung einer Kursteilnehmerin

Liebe Interessierte,
mit Zustimmung von Frau P. darf ich Ihnen die Mails unten zur Kenntnis geben.

Schöne Grüße
Bettina Zydatiß

Liebe Frau Zydatiß,
leider kann ich nicht an dem Übungstermin teilnehmen.
Dennoch möchte ich ein kurzes Feedback geben.
Ich hatte Ihnen ja kurz die Problematik mit dem Musiklehrer geschildert. Heute findet das Gespräch mit ihm statt, obwohl ich von meiner Seite her gar keinen Gesprächsbedarf habe. Denn: M. hat seine Sorgen mit ihm alleine gelöst. Es hat zwar etwas länger gedauert als früher – als ich mich noch fleißig eingemischt habe, aber er hat es alleine geregelt. Sie wissen, dass ich noch lerne, das aktive Zuhören anzuwenden. Und es geht von Mal zu Mal besser. Ich habe M. diesmal meckern und fluchen lassen, auch mal weinen und mich dennoch sehr zurückgehalten. Ich habe ihm seinen Ärger über seine 5 gelassen, der erst im Nachhinein ersichtlich wurde, da er sehr cool getan hat. Das Ergebnis war, dass M. zu der Lösung kam, dass der Lehrer vielleicht gar nicht ihn nicht mag, sondern dass ihn sein Verhalten stört. Irgendwie hat er dann gesagt, dass er ja auch öfter unruhig war und nicht zugehört hätte. Dann kam er nach Hause und erzählte freudig, dass er jetzt mitarbeitet und den Stoff versteht. Er zeigte mir stolz eine 1- und einen kleinen „Aufsatz“ über Händel, den er dem Lehrer gezeigt hatte. Dann sagte er, er glaubt nun nicht mehr, dass der Lehrer ihn nicht leiden kann, sondern dass er wohl nur genervt war. Auf einmal las er sich den Bildungsplan mit den Fördermaßnahmen, die er/ich von der Schule bekommen habe durch und sagte selbstkritisch, dass er sich im Unterricht tatsächlich nicht beteiligt hätte, öfter auch unkonzentriert war und dadurch gestört hat. Aber er sagte auch sehr selbstbewusst, dass er sehr wohl Leistungsbereitschaft z. B. beim Singen und für das Musical gezeigt hätte und sein Ordner vollständig und ordentlich sei. Puh, ich war/bin total erstaunt. Und sehr angenehm überrascht. Hätte ich mich, wie früher, eingemischt, hätte es wahrscheinlich alles einen anderen Ausgang gehabt. Vor allem wäre M. nicht alleine darauf gekommen. Ich kann den Teilnehmern des künftigen Kurses aus eigener Erfahrung sagen, dass man wirklich darauf achten muss, wessen Problem es ist und sich mit seiner Meinung zurückhalten. Auch ich werde sicher hin und wieder einen kleinen „Rückfall“ haben, aber zu wissen, dass es anders für das Kind viel besser ist, stärkt einen, auch selbst stark zu bleiben. M. ist an der anfangs sehr schwierigen Situation in der Schule sehr gewachsen – ich auch.
Viele liebe Grüße und einen schönen Tag!
P.

Liebe Frau P.,
vielen Dank für dieses aussagekräftige Feedback. Darf ich das ohne Namen auf meine Webseite setzen beziehungsweise anderen zur Kenntnis geben?
Meine jetzigen Kursteilnehmer (3. Sitzung) haben Bedenken, ob ihre Kinder auch ohne die Eltern Lösungen finden können.

Weiter gutes Gelingen!
Bettina Zydatiß

Liebe Frau Zydatiß,
ja, Sie dürfen mein Feedback gerne weitergeben und auch für Ihre Webseite nehmen. Ich möchte Ihnen auch gerne noch schildern, wie das Gespräch mit dem Musiklehrer heute verlaufen ist – nämlich auch ganz anders. Sie wissen, wie abweisend er bei dem Gespräch mit Ihnen und den anderen Lehrern war – und wie wenig er bereit war etwas zu ändern. Er hatte mich ja nun wegen der 5 in die Schule „geordert“. Früher hätte ich als „Glucke“ wahrscheinlich meinen Sohn beschützt und hätte all MEINE Bedenken und Sorgen besprochen und geklärt, worunter M. dann im Unterricht wahrscheinlich nur noch mehr gelitten hätte, weil er dann nicht nur den Ärger über sein Verhalten, sondern auch mein Verhalten hätte ausbaden müssen. Nun bin ich aber heute mit einem ganz anderen Gefühl in die Schule gegangen, wohl wissend, das M. ja für sich bereits alles geklärt hatte und ich mich auch nicht mehr einmischen wollte. Der Lehrer wartete merkbar auf ein „Donnerwetter“ von mir oder wie toll mein Sohn ist. ABER: Ich „übte“ mich auch hier in aktivem Zuhören. Der Lehrer war nicht nur von Ms Wandel beeindruckt – und hocherfreut, sondern durch mein Aktives Zuhören, gab er letztendlich zu, dass er sicher auch manchmal ungerecht war, weil er schon so das Stören gewohnt war, dass er es oft auch nur bei M. wahrnahm. Er lobte nun die Mitarbeit und sagte, dass er ihn jederzeit unterstützt, da er ja sieht, wie sehr er es möchte. Plötzlich hatte er tatsächlich auch angenehme Seiten entdeckt. Und es erweckte den Anschein, dass er mittlerweile sogar Spaß daran hat, M. etwas beizubringen. Ihm stand ein ehrliches Lächeln im Gesicht. Mir auch. Was hatte dieser kleine Bursche durch eigene Lösung bewirkt?! Sogar der Lehrer sagte, dass er nicht mal glaubt, dass M. sich wegen der 5 geändert hat, sondern einfach, weil er für sich eine Lösung gefunden hat, wie ihm der Unterricht doch Spaß machen kann und der Lehrer ihn auch anders wahrnimmt. Ich musste ihm nicht sagen wie „toll“ mein Kind ist und wie schlecht er sich als Lehrer verhalten hat (diese Gedanken hätte ich früher wahrscheinlich versucht zu vermitteln). Er selbst hat durch M. selbst eine andere Sichtweise bekommen. Staunte, wie schnell er Dinge auffasst und auch Dinge, in denen er ihn unterstützen und fordern kann, ebenso auch bereit ihn zu fördern. Dann ging es noch um den Punkt „Ordner“. Früher hätte ich gesagt, der Ordner ist vollständig und und und. Heute fragte ich, ob er mir zeigen könne, was ich diesbezüglich mit M. besprechen kann (so wird es von der Schule gewünscht). Er schaute sich den Ordner an und sagte, dass er wider Erwarten tatsächlich vollständig sei und er M. selbst sagt, dass er es so weiter beibehalten kann. Wieder eine Sache mehr, die ich nicht zu meinem Problem werden lies. Ich glaube, es gab noch nie ein Gespräch in der Schule, nach welchem ich so relaxt und gut gelaunt nach Hause ging. Und das mit dem Lehrer, von dem ich es am allerwenigsten erwartet hatte. Ich habe die wichtigste Lektion gelernt: Ich muss mein Kind nicht immer behüten, ich muss ihm auch etwas zutrauen. Und den Lehrern auch mal ihren Ärger über ein störendes Kind lassen. M. darf nun seine eigenen Erfahrungen machen und ich – ich bin immer für ihn da, um zuzuhören. Ich wünsche mir, dass sich dies alles so verselbstständigt, dass ich gar nicht mehr anders „kann“ 😉 Vielen Dank, Frau Zydatiß!
Und ich wünsche mir, dass alle anderen Eltern auch dieses Vertrauen gewinnen und zulassen!
Herzliche Grüße!
P.
PS: Ich könnte Ihnen gerne auch noch ein praktisches Beispiel zum Thema Hausaufgaben und Lernen für Ihren Kurs senden, wenn Sie daran Interesse haben.

Liebe Frau P.,
danke für den ausführlichen Bericht! Schön zu lesen, dass M. und Sie den Herrn zusammen etwas aufgetaut haben! Es freut mich sehr, dass die Ausbildung jetzt in dieser Form Früchte trägt. Sie haben einen langen Weg zurückgelegt, um dort anzukommen. Sie haben ja sicher die ganzen Mails von damals aufgehoben, da ließe sich die Entwicklung, die Sie genommen haben, sehr gut ablesen.
Gerne können Sie mir weitere Beispiele schicken. Es wird die Kursteilnehmer/innen ermutigen, von den Erfolgen eines anderen Elternteils zu lesen. Das ist noch einmal anders, als wenn ich als Kursleiterin von meinen Erfahrungen berichte. Da denken die Leute immer, so werden sie es selbst nie hinkriegen.
Schade, dass Sie am 9. nicht kommen können!

Freue mich über weitere Beispiele!
Schönen Abend
Bettina Zydatiß

März 2012
Liebe Frau Zydatiß,
im Anhang sende ich Ihnen das Konzept der HB-Förderung an der … Schule.
Ich bin entsetzt, dass gerade die Hochbegabten, die Unterstützung durch die Schule benötigen, diese nicht erhalten, sondern die Verantwortung auf andere abgeschoben wird.
Ich, als Mutter, von genau solch einem Kind, bin ratlos.
Ich stehe im engen Kontakt mit den Lehrern, habe Sie als Beraterin hinzugezogen, M. macht eine Therapie, ich habe Kurse besucht…. und da, wo die Unterstützung noch zusätzlich helfen würde/könnte, nämlich genau von den Lehrern, da erhält mein Kind sie nicht.
Soll so das Konzept tatsächlich an den Schulen sein?
Wo ist da die von der Schule geforderte Zusammenarbeit? Welche in gleichem Satz erwähnt wird, wie die Aussage, dass die Schule diese Schüler nicht angemessen fördern kann. Vielleicht verstehe ich es falsch, aber das „Nicht-Können“ klingt für mich nach „Nicht-Wollen“.
Und wieder stellt sich mir die Frage, wo auf dieser Welt es eine Schule für genau diese Kinder gibt?
Aufgrund einiger Ereignisse (und aktivem Zuhören bei den Lehrern) erweckt es in mir den Anschein, dass das Gymnasium … meinen Sohn nicht gerne als „Mitglied“ der Schule sieht. Gerade gestern wurde ich aufgefordert, die Erziehungsmaßnahmen der Schule zu unterstützen, dass M. die Schulordnung abschreiben soll, weil er in der Pause im Schulgebäude war, und er deshalb einen Verweis erhalten wird. Beim Elternsprechtag erfuhr ich folgendes:
Sein Verhalten im Unterricht sei wesentlich besser geworden, er sei viel ruhiger geworden und stört nicht mehr. Nun empfinden es die Lehrer als „störend“, dass er sich nicht mündlich beteiligt. Ausnahme: Der Musiklehrer. In diesem Fach scheint es nun alles gut zu funktionieren.
Und genau wie in diesem Fall, möchte ich, dass M. auch in den anderen Fächern seine eigene Lösung findet, wie es besser klappen kann. Ich fühle mich regelrecht von der Schule gezwungen, ihre Strafen gutzuheißen und ebenso zu handeln, weil ich vorgeschrieben bekomme, meinen Sohn aufzufordern das zu tun, was sie wollen.
Ich erinnere mich noch gut an Ihre Reaktion, als ich Ihnen berichtete, dass M. auf diese Schule möchte. Heute kann ich diese Reaktion immer mehr verstehen. ABER: M. findet „seine“ Schule immer noch ganz toll. Ich denke, dass ich bestimmt in all den Situationen, die so in letzter Zeit auf mich „eingeprasselt“ sind, nicht immer nach „Gordon“ gehandelt habe. Aber ich kann voller Stolz sagen, dass ich mich ertappt habe und wieder zurück gefunden habe. Und ich denke, dass genau das M. dieses Selbstbewußtsein gibt, weil er sich mittlerweile selbst viel besser einschätzen kann und gelernt hat, damit ALLEINE umzugehen und dennoch jemanden hat, der ihm zuhört. Ich hoffe, ich bleibe weiterhin stark. Ich weiß nicht, was der Verweis für Folgen haben wird, M. hat heute das Gespräch mit der Klassenlehrerin und wird mir sicherlich heute Nachmittag davon berichten. Ich werde ganz ruhig bleiben und versuchen, nicht in alte Verhaltensmuster zu fallen. Früher hätte ich wahrscheinlich gepredigt, geschimpft, Vorschläge gemacht. Und auch wenn ich nicht verstehe, dass es wegen dieser Sache gleich einen Verweis gibt, kann ich sehen, dass es sein Problem ist, dass er sich eingebrockt hat und werde versuchen, nur zuzuhören, denn ich bin sicher, er wird fluchen.
Ihre Kursteilnehmer/innen zweifeln bestimmt noch, ob „Gordon“ funktioniert, auch wenn es sich nur um Situationen wie das Trödeln oder Aufräumen handelt. Bei M. „liegen“ weitaus größere Probleme „herum“ als nur ein paar Socken. Aber wenn man sich auf Gordon einlässt, geschieht letztendlich das zu Beginn Unglaubliche.
Mein Ziel ist es, dass sich dieses Denken und Handeln so verinnerlicht, dass ich mich nicht immer mal wieder daran erinnern muss, sondern es automatisch so ist. Aber ich sehe, dass ich diesem Ziel jeden Tag ein kleines Stückchen näher komme. Und ich hoffe, ich darf mich weiterhin vertrauensvoll an Sie wenden, wenn ich unsicher bin.
Viele Grüße!
P.


Hoffentlich sind Sie nicht allzu böse, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Es lag mir die ganze Zeit auf der Seele, Ihnen zu antworten, hab’s aber immer wieder verschoben.

Liebe Grüße
Bettina Zydatiß

E-Mail September 2012
Liebe Frau Zydatiß,
natürlich bin ich nicht böse, dass Sie sich so lange nicht gemeldet haben.
Hätte es einen dringenden „Notfall“ in der Schule oder mit M. gegeben, hätte ich mich doch noch mal bemerkbar gemacht.
Es tut mir sehr leid mit Ihrem Vater! Mein Bruder ist leider auch Ende Juli mit nur 57 Jahren verstorben. Wir sind alle immer noch nicht wieder so richtig gefasst.
Er hatte einen sehr langen Leidensweg. Auch wenn wir wissen, dass er nun endlich von den schlimmen Schmerzen erlöst ist, fehlt er uns doch sehr.
Aber Sie wissen selbst wie das ist.
M. hat das alles auch noch nicht so richtig verkraftet. Es hat ihn mehr aus der Bahn geworfen als ich dachte. Er hat in der Schule nichts mehr mitbekommen und nur noch gemalt. Gräber, Trauernde, Monster…. Immer wieder seine Fassungslosigkeit ausgedrückt und zum Glück darüber geredet und es nicht in sich hinein gefressen.
An Noten kamen nur noch 4, 5 und sogar eine 6. Die Mathelehrerin hatte mir gemailt, dass er keine oder nur unzureichend seine Hausaufgaben erledigt.
M. selbst schwankte dann oft von Trauer zu Wut, brüllte, wie ihn das alles nervt und wie sch…egal ihm das sei. Er hätte keinen Bock mehr auf Schule.
Manchmal habe ich in meiner eigenen Verzweiflung geschimpft bis wir uns gegenseitig angebrüllt haben. Zum Glück konnten wir aber nachdem auch die Wut sich gelegt hatte, die ja der Trauer oft folgt, wieder vernünftig und ruhig miteinander reden.
Ich habe mich wieder an das aktiven Zuhören erinnert und daran, welches Problem jeder für sich hat. Ich habe M. offen gefragt, was für Möglichkeiten er sieht und wo er sich selbst gerade sieht. Er war erstaunlich offen und sagte, er hat sich sehr gehen lassen, aber konnte irgendwie nicht anders. Ihm war plötzlich alles zu viel. Er sagte, er weiß, dass er viel verpasst hat und dass auch in den Noten ersichtlich ist. Ihm war klar, dass er die Klasse nicht schaffen kann, wenn er so weitermacht. Dann hat er sich entschieden, es zu versuchen und gefragt, ob ich ihm beim Lernen und den Hausaufgaben unterstützen würde.
Oh je, dachte ich mir erst. Wir beide zusammen Hausaufgaben machen und üben????? Aber… Wir haben gemeinsam überlegt, wie das genau ablaufen soll und das klappt hervorragend. Gestern erzählte er mir, dass er in der NaWi-Arbeit wieder eine 4- hat (die Arbeit wurde noch vor seiner eigenen Einsicht geschrieben).
Er sah etwas betrübt aus. Ich sagte ihm, Du siehst betrübt aus. Er sagte daraufhin. Ja, irgendwie bin ich traurig über die Note, aber ich habe etwas daraus gelernt. Ich muss einfach mehr lernen.
Als ich Ihre Mail gelesen habe, musste ich genau an diese Situation denken und war so stolz auf mich und meinen Sohn. Vielleicht ist das wieder ein schönes Beispiel für Ihren Kurs. Hätte ich, wie früher, gesagt, dann musst du mehr üben, hätte er nicht selbst entschieden und so wäre doch nur neuer Druck entstanden.
So setzte er sich abends noch an seinen Schreibtisch, lernte Vokabeln nach und las mal wieder in einem Buch. Danach spielte er noch etwas – und malte keine Gräber – und schlief so zufrieden wie lange nicht mehr ein.
Auch Mathe macht ihm wieder Spaß, und er fragt sogar mal nach Hilfe, wenn er etwas nicht versteht. Von der Schule habe ich seit dem neuen Schuljahr nichts gehört, außer von der Mathelehrerin bezüglich der Hausaufgaben. Es kommen keine Ermahnungen o.ä.
Was aus dem Verweis geworden ist? Gar nichts. Ich hatte die Lehrerin kurz angeschrieben, welche Folgen der Verweis haben wird – ohne meinen Sohn wie früher in Schutz zu nehmen oder Entschuldigungen zu suchen. Es kam nie eine Antwort. Das Gespräch, das sie M. angekündigt hatte, hat nie stattgefunden.
Im Zeugnis war nichts vermerkt, außer dass das Probejahr mit Erfolg bestanden wurde. Er hatte einen Schnitt von 3,3 und war damit zufrieden. Er sagte, er hat vielleicht nicht mehr so einen guten Schnitt, aber dafür macht er nicht so viel und hat Spaß. Aber mit seinem Verhaltenszeugnis konnte er nichts anfangen und ist deshalb sogar zu seiner Klassenlehrerin gegangen.
Im Bereich Zuverlässigkeit (Pünktlichkeit, Hausaufgaben, Unterrichtsmaterial) wurden die Erwartungen laut den Lehrern nicht immer bis nicht erfüllt.
Im Bereich Sozialverhalten (Respekt, Einhaltung von Regeln und Vereinbarungen…..) wurden die Erwartungen überwiegend voll erfüllt in Musik komischerweise nicht immer.
M. sagte, er habe der Lehrerin gesagt, das müsse ein Fehler sein, denn er war immer pünktlich, hatte seine Materialien und Hausaufgaben aber er wurde doch immer wegen seines Verhaltens ermahnt und warum das jetzt genau anders herum bewertet wurde.
Ich fand es erstaunlich, dass er sich überhaupt getraut hatte sofort zu ihr zu gehen.
Sie sagte nur kurz und knapp, das stimmt schon.
Ich brauche Ihnen wahrscheinlich nicht ausführlich zu berichten, was mein Sohn daraufhin sagte. Ich habe mir im Stillen gedacht, dass sie sich nun nicht wundern brauchen, wenn er sein störendes Verhalten nicht ändert. Dass nun all die danach folgenden Ereignisse zu einem ganz anderen Verhalten beitragen, wusste ich da ja noch nicht.
In Musik hat ihm der Lehrer übrigens trotz zwei schriftlicher 1 und einer 2- nur eine 4 im Zeugnis gegeben. Er wäre zum Schluss hin wieder „rückfällig“ in seinem Verhalten geworden. Am liebsten wäre ich hingegangen, aber auch hier sagte M., Mama, ich weiß, dass ich den Stoff verstanden habe und kann, und wenn er mich nicht leiden kann, dann kannst Du das auch nicht ändern. Also habe ich mich rausgehalten.
In den Ferien waren wir in einer Mutter-Kind-Kur und M. hat dort an einer Zirkusschule teilgenommen. Die Klassenlehrerin musste hierfür eine kurze Mitteilung über Besonderheiten in der Schule machen. Sie schrieb nur „Konzentrationsschwäche“. Den Rest könnte ich ja hinzufügen. Hm,….. Die Lehrerin in der Kur musste auch ein Verhaltensformular (was dem Zeugnis der Schule ähnelt) ausfüllen und Bemerkungen hinzufügen. Dort hatte M. alles in besonderem Maße erfüllt. Es läge keinerlei Konzentrationsschwäche vor. Was auffällig war, dass er im kreativen und künstlerischen Bereich sehr begabt wäre. (Den Lehrern und Erziehern dort war die Hochbegabung nicht bekannt, da ich es nicht für nötig hielt, es zu erwähnen – hatte es uns doch schon oft mehr Ärger als Hilfe gebracht). Die Auswertung ist für die Schule vorgesehen. Ich sollte sie bei unserem ersten Gespräch nach den Ferien mitbringen. Bisher hat sich aber, wie bereits erwähnt, noch niemand bei mir gemeldet. Ich werde „schlafende Hunde“ auch ganz bestimmt nicht wecken.
Nun noch ein schönes Beispiel für Ihren Kurs:
M. putzt sehr schlampig bis öfter mal gar nicht seine Zähne.
Früher hatte ich ja immer auf ihn eingeredet. Seit ich mehr nach „Gordon“ lebe, habe ich ihm nur einmal noch gesagt, dass er, wenn er weiterhin so viel nascht und seine Zähne nicht richtig putzt Karies bekommen kann. Nun waren wir beim Zahnarzt, weil ihm ein Milch-Backenzahn rausgefallen war, der ein ziemlich großes dunkles Loch hatte.
Der Zahnarzt sagte ihm, dass das Karies war und der andere Milch-Backenzahn auch schon leicht Karies hätte, dieser aber bald auch rausfallen würde.
Früher hätte ich wahrscheinlich gepredigt. Heute sah ich meinen Sohn an und wusste, ich muss gar nichts sagen. Als wir aus der Praxis gingen, sagte M., wie peinlich ihm das war und dass er jetzt wohl unbedingt besser seine Zähne putzen muss, damit die bleibenden Zähne nicht auch noch Karies bekommen. Seine Naschsachen möchte er an Freunde verschenken und isst nun Salzstangen oder Obst, wenn er mal naschen will. Plötzlich dreht er auch die Zahnputzuhr wieder um und putzt gründlich.
Natürlich gibt es auch immer wieder Situationen, in denen ich mich ertappe und in alte Verhaltensmuster falle, wie „wenn…, dann… Aber ich bemerke es und sage es dann auch (Sie erinnern sich bestimmt an Beispiele wie das mit dem Geld für´s Mitarbeiten).
Ich bin nach wie vor sooooo froh, dass ich diesen Kurs bei Ihnen gemacht habe, da ich immer wieder die Erfolge sehen darf. Es gibt fast täglich kleinere oder auch größere Situationen, in denen ich bemerke wie selbstständig M. geworden ist und wie gut er auch mit schlechten Erfahrungen umgeht. Früher dachte ich immer, ich kann ihn nicht vor allem beschützen. Heute weiß ich, dass ich ihn auch nicht vor allem beschützen muss.
Ich weiß nicht, wo die Reise „Schule“ so hinführt. Aber ich gehe den Weg mit immer mehr Gelassenheit. Die nächste Herausforderung wird die Pubertät, die sich so gaaanz langsam bei M. ankündigt. Aber auch in diesen kurzen Momenten vertraue ich auf das Konzept.
Ich glaube, Sie merken an meinen Berichten, dass es trotz Hochs und Tiefs wesentlich entspannter bei uns geworden ist. Und sollte es wieder einmal sehr turbulent werden, dann werde ich mich immer wieder vertrauensvoll an Sie wenden.
Vielleicht können Sie das eine oder andere Beispiel für Ihre Kurse nutzen. Mein Einverständnis haben Sie selbstverständlich weiterhin.

So, jetzt sind Sie auf dem aktuellen Stand der Dinge.
Ich möchte Ihnen aber noch sagen, dass ich mich sehr für Ihren Sohn freue und begeistert Ihre Webseite angeschaut habe.
Ganz herzliche Grüße!
P.
PS: Ich möchte jedem, der ein hochbegabtes Kind hat empfehlen, ihren Kurs zu besuchen, denn ich muss feststellen, dass die Umsetzung des Konzepts mehr zur Begabten-Förderung beiträgt als die Schulen. Bitte bieten Sie auch Kurse für Lehrer an!

November 2013
Viele Grüße und ich freue mich über einen Bericht, wie es jetzt läuft.
Bettina Zydatiß

19. November 2013

Liebe Frau Zydatiß,
vielen Dank für die Infos. Bei unserem letzten Elternabend ging es u. a. darum, dass die Kinder in die Pubertät gekommen sind und sich daraus viel Positives ergibt, aber auch schwierige Situationen entstehen, auf die man sensibel, einfühlsam und wachsam reagieren sollte. Die Klasse ist allgemein sehr unruhig und bietet wohl alles an pubertierendem Verhalten. Es sollen Anregungen gesammelt werden, wie mit der Situation umgegangen werden könnte/sollte, so dass es allen gut damit geht. Genau deshalb ist mir das Gordon-Training eingefallen. Ich werde davon berichten und anbieten, dass ich vermitteln kann. Mehr nicht.
MM geht es so gut wie seit der 3. Klasse nicht mehr. Das sagt er auch selbst. Die dritte Klasse und jetzt die Zeit in der Waldorfschule sind seine schönste Schulzeit. Er ist total glücklich und ausgeglichen.
Er wurde ja sofort nach der Hospitationszeit aufgenommen, weil er nicht mehr an die andere Schule wollte und sofort in der Klasse ankam, als wäre er immer dabei gewesen. Der Epochen-Unterricht ist sehr gut für ihn. Da kann er in die Tiefe gehen. Er selbst sagt: „Endlich nicht mehr stur mit Druck für die nächste Arbeit lernen, alles vergessen und das nächste Kapitel für die nächste Arbeit lernen. Jetzt kann ich mich bis ins Detail mit dem Thema auseinandersetzten. Ich habe das Gefühl, die Lehrer haben Spaß, uns das alles beizubringen, und das macht mir Spaß und ich lerne besser. In vier Wochen Geschichte habe ich mehr gelernt als in einem Halbjahr am Gymnasium ….“ Natürlich gab es auch mal Unstimmigkeiten zwischen MM und Lehrern. Aber er ist zu ihnen gegangen und hat ihnen gesagt, wie es ihm dabei geht. Das finde ich echt faszinierend. Er wendet unbewusst Gordon an. Und es funktioniert. Es gab auch schon einige Situationen, wo ich dachte, ich mische mich jetzt ein. Aber ich habe es nicht getan. Ich habe mir vor Augen gehalten, dass es nicht mein Problem ist, sondern das von meinem Sohn und habe mich zurückgehalten und ihm einfach nur zugehört. Neulich kam er von der Stunde beim Psychologen und hat sich sehr aufgeregt. Er hatte mir vorher von einem Vorfall in der Französischstunde berichtet und ich hatte nur zugehört und ihm gesagt, dass ich sehe, dass er völlig außer sich sei. Er ließ sich weiter aus und ich nahm ihn in den Arm. Nach der Therapiestunde kam er empört nach Hause und sagte: „Da erzähl ich Herrn… über mein Problem und der sagt, ich soll noch mal drüber nachdenken, ob ich mich da so drüber aufregen muss. Da muss ich nicht nachdenken. Es regt mich auf, und ich wollte einfach nur, dass er mir zuhört – so wie du – ohne seine Meinung. Kann man denn nicht mal Dampf ablassen, ohne eine andere Meinung?“ Oder gerade vorhin ein Gespräch. Geometrie…. Sie haben Winkel gezeichnet. MM hat sie eingezeichnet, wie er es bereits am Gymnasium gelernt hatte. Die Lehrerin sagte: „Mal keine Spinnennetze.“ Er hat es wegradiert. Ich habe mich darüber geärgert und es laut „gedacht“. MM meinte, ich soll die Kröte schlucken. Er hat es wegradiert, weil sie es eben anders macht und ggf. sagt er ihr das nächste Mal, dass er es an der anderen Schule so gelernt hat und es keine Spinnweben sind. Wow. Ich halte mich also raus (was ich früher nie gekonnt hätte).
Was die Aufgaben angeht, hat MM natürlich schon ein wenig „Vorlauf“. Ich muss mich um nichts kümmern, er erledigt alles selbstständig.
In Französisch hat er super aufgeholt. Er mag die Sprache (viel mehr als Latein, denn Französisch kann man sprechen) und hat die „alten Hasen“ in der Klasse längst überholt. Er hat die beste Französisch-Arbeit geschrieben – und das als Quereinsteiger (es wurde Hörverstehen abgefragt, Grammatik, Vokabeln und ein Dialog musste geschrieben werden. Die Arbeit beinhaltete 5 Seiten. Er war total stolz. Auch in Englisch hat er die beste Arbeit geschrieben. Er sagt, ihm macht das Lernen viel mehr Spaß (wobei sich sein Lernen auf ca. 15 Minuten begrenzt).
Ich bin froh, dass er sich so wohl fühlt und wieder mit Freude lernt.
Und dass ich in den wenigen Situationen, die entstehen, die Gordon-Methode mittlerweile automatisch anwende.
Ich denke, dass das alles Aktuelle war/ist, das ich derzeit berichten kann.
Bezüglich einem anderen Anliegen werde ich mich in naher Zukunft mit Ihnen in Verbindung setzen.
Bis dahin viele Grüße!

P.